Leichte Sprache: Texte für alle
Texter und Talente

Leichte Sprache

Texte als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe

Ob auf Websites, in Zeitungen oder in der Werbung: Immer wieder treffen wir auf Texte, die viel zu kompliziert geschrieben sind. Durch schwer verständliche Sprache aber verlieren wir die Aufmerksamkeit unserer Leserinnen und Leser und grenzen Menschen mit Leseproblemen sogar völlig aus. Die Leichte Sprache will das ändern. Begleiten Sie uns auf einer kleinen Reise durch dieses ganz besondere Sprachsystem und lernen Sie die Vorteile der Leichten Sprache – vielleicht auch für Ihre Kundinnen und Kunden – kennen.

Sprache macht Spaß, wenn wir sie leicht erfassen können

Stellen Sie sich ein Museum vor. An den Wänden hängen Ausstellungs­beschreibungen – einmal in langen, verschachtelten und von Fachbegriffen durchzogenen Sätzen, einmal in kurzen, präzisen und verständlichen Aussagen. Wo bleiben die Besucherinnen und Besucher lieber stehen?

Sprache macht am meisten Spaß, wenn wir sie leicht erfassen und schnell verstehen können. Natürlich kann auch hohe Literatur mit komplexer Sprachstruktur eine ganz besondere Freude bereiten. Aber für die Übermittlung von Informationen und Inhalten im Alltag mögen wir es einfach. Wir alle kennen den Frust, zum Beispiel einen Behördenbrief in verkompliziertem Amtsdeutsch zwei oder drei Mal lesen zu müssen, bevor man dessen Inhalt verstanden hat.

So oder ähnlich geht es vielen Menschen schon mit dem Standarddeutsch: Rund sechs Millionen Erwachsene haben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben*, das sind zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung. Zu der Gruppe zählen Analphabeten und funktionale Analphabeten wie Menschen mit Lernschwierigkeiten (geistiger Behinderung), Demenz oder einer anderen Muttersprache als Deutsch. Sechs Millionen – das ist keine Minderheit!

Um auch Menschen mit Leseproblemen einen Zugang zu Sprache – und damit Selbstbestimmung, gesellschaftlich-politische Teilhabe und Gleichstellung – zu ermöglichen, haben Betroffenengruppen die Leichte Sprache entwickelt. Das Sprachkonzept nutzt eine sehr einfache Form des Deutschen und folgt dabei festen Regeln. Diese hat der Verein Netzwerk Leichte Sprache 2006 festgelegt.

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Schwere Regeln für die Leichte Sprache

Die Regeln der Leichten Sprache sind nicht immer leicht umzusetzen. Vermieden wird beispielsweise alles, was einen Text „schwer“ macht, wie Verneinungen, Genitiv und Konjunktiv, Nebensätze, Fremd- und Fachwörter oder Metaphern. Die Texte werden in einfachen Wörtern und kurzen Sätzen geschrieben, wobei ein Satz nur eine Information enthält. Lange Wörter werden mit Bindestrich oder Mediopunkt getrennt. Eine große, gut lesbare Schrift und extra entwickelte Bilder gehören auch dazu. Besonders wichtig: Ein Text darf nur das Leichte-Sprache-Siegel tragen, wenn er durch die Zielgruppe – also Menschen mit Lernschwierigkeiten – geprüft und für verständlich erklärt wurde. Ohne Prüfung keine Leichte Sprache.

Das ist Leichte Sprache.
Leichte Sprache kann man gut verstehen.
Es gibt nur einfache Sätze.
Die Sätze sind kurz.
Schwere Wörter werden erklärt.
Lange Wörter werden mit einem Binde-Strich getrennt.
Oder mit einem Medio·punkt.
Abkürzungen werden ausgeschrieben.
So kann jeder Mensch den Text gut verstehen.

Leichte Sprache kann also dazu beitragen, Barrieren abzubauen – ähnliche wie Rampen für Rollstuhlfahrer, Brailleschrift für Blinde und Gebärdensprache für Gehörlose. Politische Akteure, öffentliche Behörden und Verwaltungen sind übrigens gesetzlich dazu verpflichtet, sich für jeden verständlich zu machen sowie Internetauftritte barrierefrei zu gestalten und dafür die Leichte Sprache zu nutzen. Gleichzeitig ist Leichte Sprache für alle gut: Ähnliche wie Rampen auch von Eltern mit Kinderwagen oder Reisenden mit schweren Koffern gerne genutzt werden, ermöglicht die Leichte Sprache vielen Menschen einen leichteren Zugang zu Sprache und Geschriebenen.

Leichte Sprache ist für alle gut

Leichte Sprache für alle

Und so kommen wir zurück zum Museumsbeispiel und dem Nutzen für Ihre Kundinnen und Kunden: Im Salzburg Museum hat man nämlich mithilfe einer Eye-Tracking-Studie festgestellt, dass Ausstellungstexte in Leichter Sprache ebenso gerne, häufig und intensiv gelesen werden, wie Texte in Standardsprache. Und zwar von sämtlichen Museumsbesuchern – ob Kindern, Menschen mit und ohne Behinderung oder Seniorinnen und Senioren. Fazit: Hilfestellungen, die für Menschen mit Behinderung erforderlich sind, können auch für Menschen ohne Behinderung von großem Nutzen sein.

Das gilt auch für die Kommunikation Ihres Unternehmens. Denn ob Versicherungspolicen, Mietverträge, Packungsbeilagen, Websites oder Broschüren: Viele solcher Texte sind für die Empfängerin oder den Empfänger oft unverständlich. Anders herum eröffnen Ihnen leicht verständliche Texte vielleicht ganz neue Zielgruppen oder tragen dazu bei, noch mehr Menschen zu erreichen. Dazu braucht es nicht explizit die streng geregelte Leichte Sprache. Auch die sogenannte Einfache Sprache, für die es keine festen Regeln gibt und die auf einem höheren Sprachniveau als die Leichte Sprache angesiedelt ist, sorgt dafür, dass möglichst viele Menschen Ihre Botschaft verstehen.

Alle Texterinnen und Texter unseres Netzwerks achten auf eine leicht verständliche, leserfreundliche, deutliche und klar strukturierte Sprache. Auch Übersetzungen und Texterstellung in Leichter oder Einfacher Sprache gehören zu unserem Angebot. Probieren Sie es doch mal aus.

 

* siehe Studie „LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität” der Universität Hamburg

Bildquelle: Pixabay /Cdd20