Wie ein Text entsteht …
Texter und Talente

Wie ein Text entsteht ...

Ein Blick hinter die Kulissen einer Texterin.

„Sag mal, Steffi, wie machst Du das eigentlich?“ Das waren die Worte meines Grafikers, als wir vor kurzem mitten in einer Besprechung für ein Kundenprojekt waren. „Wie machst Du das, wenn Du solche Texte schreibst?“
Seine Frage kam ganz unvermittelt und machte mich für einen Moment stutzig. Kurzer Blackout, dann Rattern in meinem Kopf. Ich versuchte, die richtigen Worte zu finden. Wie peinlich! Jetzt hatte er mich tatsächlich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich als Texterin konnte ihm so auf Anhieb gar nicht erklären, wie meine Texte entstehen. Also versuchte ich so gut es ging, das in wenige Worte zu packen, was in meiner täglichen Arbeit für mich ganz automatisch abläuft.

Professionelle Texte schreiben – wie geht das eigentlich?

Egal ob Pressemeldung, Kundenanschreiben oder die vielen einzelnen Textbausteine für die neue Website des Kunden – wie entstehen überhaupt solche Texte? Je länger ich darüber nachdachte, umso spannender fand ich diese Frage. Denn um ehrlich zu sein: So genau hatte ich mich bisher gar nicht damit beschäftigt. Musste ich auch nicht. Denn wenn ich Texte schreibe, folge ich keinem starren Plan oder Programm, das ich systematisch abarbeite. Im Gegenteil:

Für mich ist das Schreiben ein kreativer Prozess, der ganz intuitiv abläuft und der so individuell ist wie jeder Kunde und jedes Thema selbst. Meine Texte entstehen ganz einfach, sie formen sich und wachsen. Mal in hohem Tempo und mit der ganzen Kraft der Fantasie – dann fließen die Wörter nur so aus mir heraus. Andere Texte wiederum entstehen langsam und bedacht und in kleinen Schritten.

Doch wie kann man diesen Prozess, diese Vorgehensweise überhaupt beschreiben? Ich wollte es selbst genauer wissen. Wollte meine eigenen Schreibprozesse hinterfragen und besser verstehen. Also habe ich mich auf die Spuren meiner eigenen Texte begeben, auf den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen, druckreifen Text. Ein Weg, der durchaus lang und kräftezehrend sein kann, immer aber auch erfüllend ist, und für den ich am Ende immer belohnt werde – genau dann, wenn meine Kunden zufrieden und dankbar sind.

Aber von vorne…

1. Die Botschaft: Was wollen wir kommunizieren?

Vor dem eigentlichen Schreibprozess liegt meist schon eine Menge Vorarbeit – die Basis für einen wirklich guten Text:

Gemeinsam mit dem Kunden erarbeite ich die wichtigsten Inhalte und Botschaften, die dem Leser vermittelt werden sollen. Dabei schaue ich ganz genau hin, meistens auch hinter die Fassade, und kitzle gerne auch noch verborgene Informationen und besondere Highlights aus dem Kunden heraus.

So können am Ende wertvolle und spannende Inhalte entstehen, mit denen wir die Herzen der Leser erreichen.

2. Die Recherche: Welche Informationen habe ich zur Verfügung?

Bevor es ans Schreiben geht, ist außerdem gründliche Fleißarbeit angesagt. Denn das noch leere Blatt (bzw. Word Dokument) will zunächst einmal mit Informationen gefüllt werden. Dazu sichte und sammle ich sämtliche Daten und Fakten, die ich bekommen kann:

  • Vorgaben und Eckdaten vom Kunden
  • vorhandene Unternehmensunterlagen
  • Inhalte der bestehenden Website
  • Informationen aus meiner Internetrecherche
  • eigene Ideen und weitere Anregungen

Eine bunte Mischung aus vielfältigen Informationen. Stichpunkte, Notizen und Schlagworte, Eckdaten und Zahlen – kreuz und quer gesammelt und dann ganz grob vorsortiert. Dabei ist jede Information zum Start erst einmal wertvoll und kann später ergänzt oder auch wieder gestrichen werden. Diese Sammlung ist nun die Grundlage für meine Texte.

3. Die Struktur: Wie bereite ich die Inhalte möglichst leserfreundlich auf?

Textstruktur Schreibprozess

Im nächsten Schritt suche ich nach einem sinnvollen roten Faden für mein Thema, der den Leser gut durch die Inhalte führen kann. Dabei nehme ich bewusst die Sicht des Lesers ein:

  • Wo steht er?
  • Welche Vorkenntnisse hat er?
  • Wie will ich ihn an das Thema heranführen?
  • Was interessiert den Leser?
  • Was ist wichtig und spannend zu wissen?
  • Welche Botschaften können den Leser packen?

Parallel dazu beginne ich, die Masse an Informationen entsprechend zu sortieren und dem roten Faden zuzuordnen. So entsteht nach und nach eine erste Struktur, gefüllt mit den gesammelten Textbausteinen, Infos und Notizen, die ich bereits zugeordnet habe. Dabei kristallisieren sich nun langsam die besonderen Kernaussagen und wichtige Überleitungen heraus, so dass sich diese erste Struktur allmählich verfeinert. In diesem Schritt entstehen meist auch erste konkrete Überschriften und Zwischenüberschriften.

4. Der Rohentwurf: Jetzt geht´s ans Schreiben. Oder: Einfach fließen lassen.

Nun kommt die eigentliche Schreibarbeit. Die ursprünglichen Textwüsten und Stichpunktsammlungen werden nun zu neuen und individuellen Texten „verarbeitet“:

Vorsichtig beginne ich mit den ersten Formulierungen. Während dieser ersten Zeilen bin ich meist noch etwas unsicher, spüre aber schnell, ob ich den richtigen Ton für meinen Kunden treffe.

In dem Moment, in dem ich erkenne, dass die Richtung passt, fangen die Wörter an zu fließen. Diesen Schwung versuche ich möglichst lange beizubehalten. Dabei bin ich mir immer bewusst, dass ich noch in der Rohfassung arbeite. So kann ich beim Schreiben alles Nebensächliche wie z.B. Tippfehler oder die Zeichensetzung ausblenden und mich nur auf die Inhalte konzentrieren. Ich hangle mich an dem roten Faden entlang, den ich mir geschaffen habe und versuche, alle vorhandenen Informationen geschickt einzubauen. Fehlt mir an einer Stelle die passende Formulierung, schreibe ich ins Unreine und mache einfach weiter. Wichtig ist, dass ich im Schreibfluss bleibe.

Wenn die Energie nachlässt oder die Informationen und damit der Schreibfluss stocken, braucht es eine Pause. Das kann sehr hilfreich sein – gerade, wenn ich feststelle, dass mir noch Informationen fehlen. Dann ist die enge Abstimmung mit dem Kunden enorm wichtig, damit ich alle nötigen Inhalte und Angaben vorliegen habe und einbauen kann, bevor ich in die Feinarbeit gehe. Gleichzeitig ist jetzt auch der passende Zeitpunkt, um die Textmengen im Blick zu behalten. Habe ich strenge Vorgaben, wie z.B. bei einer Print-Broschüre? Oder bin ich flexibler, darf sogar ausführlicher werden, wie z.B. auf einer Website?

Übrigens:

Um mich besonders gut in den jeweiligen Leser hineinzuversetzen und komplett ins Thema abzutauchen, greife ich gerne mal in die Trickkiste:

Bei einem Artikel über Do-it-Yourself-Tipps für die perfekte Sommerparty bereite ich mir z.B. einen leckeren Sommerdrink vor, den ich beim Schreiben genieße. Ähnlich gut wirken gezielte Duftöle oder dezente Hintergrundmusik, um voll und ganz in der Welt des Kunden zu versinken. So komme ich besonders gut ins Gefühl und kann Emotionen und Stimmungen vermitteln.

5. Der Feinschliff: Sorgfältige Überarbeitung mit dem Blick fürs Detail

Der Rohentwurf steht, und mein Text hat langsam Form angenommen. Jetzt geht es an die Überarbeitung, an den sprachlichen Feinschliff. Ich gehe den gesamten Text von Anfang an noch einmal durch und prüfe, ob die Formulierungen angemessen sind, welche Begriffe durch Synonyme ersetzt werden können, ob Wortwiederholungen den Lesefluss stören usw. Manchmal bin ich selbst überrascht, wie ausgiebig man sich mit der Konstruktion eines einzigen Satzes beschäftigen kann.

Dieses Feinschleifen, Umstellen, Neuformulieren – es sind genau diese Details, die feinen Nuancen, die so beiläufig scheinen und die am Ende doch eine große Wirkung haben. Sie machen den Text erst besonders. Dieser Prozess des Feinschleifens verteilt sich übrigens je nach Umfang oft sogar über mehrere Tage. Denn für mich hat es sich als äußerst effektiv erwiesen, mal „drüber zu schlafen“. Der Abstand gibt immer wieder einen neuen Blick auf die Texte und lässt mich noch besser daran arbeiten.

Wenn ich mit meinem Text dann wirklich zufrieden bin, prüfe ich ihn abschließend und mit Abstand noch ein letztes Mal auf Rechtschreibung und Grammatik.

Und was sagt die Theorie?

Auch wenn ich selbst mit meinem Schreibprozess sehr zufrieden bin und damit in der Praxis sehr gut arbeiten kann, hat es mich im Rahmen dieses Blog-Beitrags doch interessiert, was die Theorie bzw. die Fachwelt zu diesem Thema sagt. Und ich war erfreut, als ich bei meiner Internetrecherche die Ausführungen des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur der Universität Bamberg gefunden habe: Das hier beschriebene Modell kommt meinem Vorgehen sehr nahe.

Demnach umfasst der Schreibprozess drei Phasen:

  • die Planung
  • die Formulierung
  • die Überarbeitung

Auch hier beginnt der Prozess mit dem Sammeln von Ideen sowie der Planung und Strukturierung des Textes. Im Anschluss erfolgt der eigentliche Schreibprozess, der mit der Überarbeitung abgeschlossen wird.

Tatsächlich kann man sich in der Theorie äußerst umfassend und ausführlich mit dem Thema Schreibprozess und Schreibstrategien beschäftigen. Doch an dieser Stelle soll dieser kurze Einblick in meinen persönlichen Schreibprozess ausreichen, der Ihnen hoffentlich einen Eindruck und ein Gefühl für die Tätigkeit einer Texterin vermitteln konnte.

Mein persönliches Fazit:

Beim Schreiben dieses Artikels wurde mir mal wieder bewusst, wie komplex die Tätigkeit von uns professionellen Texterinnen und Textern doch ist und dass genau in diesem Schreibprozess und all seinen Phasen der besondere Wert eines guten Textes entsteht. Eben diesen Wert von professionellen Texten möchten wir als Netzwerk stärken und damit die Leistungen aller Texterinnen und Texter honorieren und wertschätzen.

 

Bildquellen:
Tastatur: pixabay / Engin_Akyurt
Sprechblase: pixabay / padrinan 
Organigramm: pixabay / geralt
Inspiration: pixabay / mangomatter